Standortanalyse

Erreichbarkeit mit Bahn, Bus und Pkw bewerten: Kennzahlen und Quellen

Erreichbarkeit ist mehr als die Luftlinie zwischen zwei Orten: Sie hängt von Reisezeit, Zielwahl und verfügbarem Verkehrsmittel ab.

Erreichbarkeit mit Bahn, Bus und Pkw: Was Kennzahlen leisten können

Erreichbarkeit ist mehr als die Luftlinie zwischen zwei Orten: Sie hängt von Reisezeit, Zielwahl und verfügbarem Verkehrsmittel ab. Wer Bahn, Bus und Pkw bewerten will, braucht eine gemeinsame Zielauswahl und ein definiertes Zeitfenster. Die ÖROK-Erreichbarkeitsanalyse 2024 liefert dafür Ergebnisdaten für den Motorisierten Individualverkehr (MIV) und den Öffentlichen Verkehr (ÖV) sowie einen Datensatz der Ziele, der regionale und überregionale Zentren sowie Bildung umfasst.

Kennzahlen machen den Unterschied sichtbar: Im ÖV sind das Reisezeit inklusive Umsteige- und Wartezeiten, Anzahl der Umstiege, Taktdichte und Verbindungsqualität; im MIV Fahrzeit, Netzdistanz und Straßenkategorie. Ohne einheitliche Ziele und Zeitfenster vergleicht man unterschiedliche Sachverhalte, etwa eine ÖV-Verbindung am Vormittag mit einer Pkw-Fahrt zur Hauptverkehrszeit.

Ziele, Zeitfenster und räumliche Bezugsebene festlegen

Die ÖROK-Erreichbarkeitsanalyse 2024 definiert die Ziele über regionale und überregionale Zentren sowie Bildung. Diese Zielauswahl bestimmt, welche Fahrten bewertet werden: ein regionales Zentrum für Alltagswege, ein überregionales Zentrum für seltenere Wege und Bildungseinrichtungen für Ausbildungswege. Wer andere Ziele ergänzt, muss sie getrennt ausweisen, sonst sind die Ergebnisse nicht mit der ÖROK-Analyse vergleichbar.

Zeitlich stützt sich die ÖROK-Analyse auf zwei Fahrplan-Stichtage. Der gewählte Stichtag entscheidet mit, welche Verbindungen überhaupt in die Auswertung kommen; ein Werktag im Schulbetrieb liefert andere Reisezeiten als ein Ferientag. Räumlich bezieht sich der Datensatz auf Österreich inklusive Grenzgebiet; als Bezugsebenen dienen Gemeinden und Bezirke, die sich mit dem STATatlas der Statistik Austria gruppieren und darstellen lassen.

Zeitliche und räumliche Bezugsebenen der ÖROK-Analyse 2024

  • Datensammlung — Zwei Fahrplan-Stichtage im Jahr 2024

Bahn und Bus: Kennzahlen aus Fahrplan- und Netzdaten

Die ÖROK-Erreichbarkeitsanalyse 2024 führt als Verkehrsmittel Linienverkehrsdienste, Fernzug, konventionellen Bahnverkehr, Stadtbahn, Untergrundbahn, Straßenbahn, Bus und Oberleitungsbus. Der Netzbezug unterscheidet unter anderem schienengebundene Netze, Stadt- und U-Bahn sowie andere öffentliche Verkehrsnetzwerke. Datenbasis ist der Fahrplan mit zwei Stichtagen; daraus lassen sich Reisezeiten, Umstiege und Taktdichte ableiten.

Für die Bewertung einzelner Verbindungen sind vier Kennzahlen zentral: die Reisezeit von Tür zu Tür oder Haltestelle zu Haltestelle, die Anzahl der Umstiege, die Taktdichte als Abfahrten pro Stunde und die Verbindungsqualität, etwa ob eine direkte Verbindung besteht oder ob Wartezeiten an Umsteigeknoten anfallen. Diese Kennzahlen sind aus Fahrplandaten berechenbar; sie zeigen aber nur, was der Fahrplan vorsieht, nicht ob Anschlüsse in der Praxis erreicht werden.

Pkw: Fahrzeit, Netzdistanz und Straßenkategorie

Für den MIV nennt die ÖROK-Erreichbarkeitsanalyse 2024 als Netzbezug das Straßennetzwerk mit Autobahnen und Schnellstraßen, Bundes- und Landesstraßen sowie Stadt- und Gemeindestraßen. Die Datenbasis umfasst GIP und Floating-Car-Data (FCD). Die Straßenkategorie bestimmt die erzielbare Geschwindigkeit und damit die Fahrzeit; die Netzdistanz weicht von der Luftliniendistanz ab, weil Umwege und das tatsächliche Straßennetz einfließen.

Die Broschüre „Statistik Straße und Verkehr“ des BMIMI liefert für das hochrangige Netz in Österreich statistische Angaben zu Netzlängen, in Bau befindlichen Straßenabschnitten, Verkehrsfreigaben sowie Zeitreihen zur Straßenverkehrsentwicklung, zum Kraftfahrzeugbestand und zum Unfallgeschehen. Diese Werte helfen, Fahrzeiten und Verkehrsmengen einzuordnen, ersetzen aber keine Routenberechnung im Detailnetz.

ÖV und MIV vergleichbar machen: Reisezeit, Zielerreichung und Zeitfenster

Die ÖROK-Erreichbarkeitsanalyse 2024 liefert Ergebnisdaten für MIV und ÖV auf Basis desselben Ziele-Datensatzes. Damit ist eine wesentliche Voraussetzung für den Vergleich erfüllt: Beide Verkehrsmittel werden auf regionale und überregionale Zentren sowie Bildung ausgerichtet. Wer eigene Auswertungen erstellt, muss dieselben Quell- und Zielpunkte, dieselben Zeitfenster und dieselbe Reisezeitdefinition verwenden.

Für einen fairen Vergleich ist festzulegen, ob Tür-zu-Tür- oder Haltestelle-zu-Haltestelle-Reisezeiten gemessen werden. Beim ÖV gehören Fußwege zu Haltestellen, Wartezeiten und Umsteigezeiten dazu; beim Pkw etwa die Parkplatzsuche im Zielgebiet. Ein ÖV-Spitzenwert gegen einen MIV-Durchschnittswert verzerrt das Ergebnis ebenso wie ein MIV-Wert ohne Stauzuschlag gegen einen ÖV-Wert mit Anschlussgarantie. Die Gegenüberstellung sollte daher Kennzahlen wie Reisezeitverhältnis ÖV/MIV und Zielerreichung innerhalb eines definierten Zeitbudgets getrennt nach Zeitfenster und Richtung ausweisen.

Vergleich ÖV vs. Pkw: Reisezeit und Umweltauswirkungen (2024)

Reisezeit (ÖV)
abhängig von Fahrplan, Umsteigen und Wartezeiten
Reisezeit (Pkw)
Fahrzeit inkl. Netzdistanz und Straßenkategorie
CO₂eq pro Personenkilometer (ÖV)
4,66 g

Energie- und CO2eq-Kennzahlen als Zusatzdimension

Der ÖBB-Geschäftsbericht 2025 weist für 2024 im Personenverkehr auf der Schiene 4,66 g CO2eq pro Personenkilometer aus. Als Vergleichswert nennt er für den Pkw 178,6 g/Pkm CO2eq; dieser Wert stammt vom Umweltbundesamt aus dem Jahr 2023. Der Postbusverkehr lag 2024 bei 55,1 g/Pkm CO2eq. Im Güterverkehr stehen 3,11 g/tkm CO2eq auf der Schiene 84,2 g/tkm CO2eq beim Lkw gegenüber.

Für die Energiekennzahlen nennt der Bericht für 2024: rund 90 % elektrisch angetriebene Verkehre im Bahnbetrieb, 75 % Elektrifizierung der Bahnstrecken von rund 5.000 km Streckennetz, 2.983 GWh Energieverbrauch über alle Energieträger, 66 % Anteil erneuerbarer Energiequellen am Gesamt-Energieverbrauch und 100 % Strom aus erneuerbaren Quellen für Bahnstrom und Drehstrom für Gebäude. Die ÖBB geben an, dass die Werte mit durchschnittlichen Verbrauchsdaten und Auslastungen berechnet wurden und dass die Vergleichswerte 2025 bzw. 2024 zum Zeitpunkt der Erstellung der Nichtfinanziellen Erklärung noch nicht verfügbar waren; sämtliche genannten KPIs stammen aus der Nichtfinanziellen Erklärung 2025 und wurden durch einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer auditiert.

Energie- und Nachhaltigkeitskennzahlen der ÖBB (2024)

  • Anteil elektrisch angetriebener Verkehre90 %
  • Elektrifizierungsgrad der Bahnstrecken75 %
  • Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtverbrauch66 %
  • Strom für Bahn und Gebäude aus erneuerbaren Quellen100 %

CO₂eq-Werte pro Kilometer nach Verkehrsmittel (2024)

  1. Schiene (Personenverkehr)4,66 g CO₂eq/km
  2. Postbus55,1 g CO₂eq/km

Datenquellen für Österreich: ÖROK, Statistik Austria, BMIMI und ÖBB

Die ÖROK-Erreichbarkeitsanalyse 2024 wird über Mobilitätsdaten Österreich bereitgestellt; sie wurde am 24.09.2024 veröffentlicht. Dateneigentümer und Servicebetreiber ist das Team Datenanalyse und Modelle (AustriaTech). Der Datenauszug besteht aus drei Geodatabases: Öffentlicher Verkehr, Motorisierter Individualverkehr und Ziele. Das Lizenzmodell ist ein Nutzungsvertrag mit kostenloser Nutzung; ein Beispielvertrag steht zur Verfügung. Der Gültigkeitsbereich reicht vom 21.09.2026 bis 21.09.2027, weitere Informationen bietet die ÖROK unter oerok.gv.at.

Der STATatlas der Statistik Austria stellt Verwaltungseinheiten in der nächsthöheren regionalen Ebene gruppiert dar, etwa Gemeinden zu Bezirken, und liefert Kartendaten zu Hauptwohnsitzen, Nebenwohnsitzen, Anzahl der Gebäude und Anzahl der Wohnungen auf Basis von basemap.at. Die Broschüre „Statistik Straße und Verkehr“ des BMIMI (Erschienen im Juni 2026, Wien; Herausgeber: Abteilung IV/IVVS1 – Planung, Betrieb und Umwelt) enthält statistische Angaben zum hochrangigen österreichischen Straßennetz, darunter Netzlängen, in Bau befindliche Straßenabschnitte, Verkehrsfreigaben sowie Zeitreihen zur Straßenverkehrsentwicklung, zum Kraftfahrzeugbestand und zum Unfallgeschehen.

Die ÖBB veröffentlichen im Geschäftsbericht 2025 Nachhaltigkeitskennzahlen aus der Nichtfinanziellen Erklärung, die durch einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer auditiert wurden. Diese Kennzahlen liefern CO2eq-Werte pro Personen- und Tonnenkilometer, Energieverbrauch, Elektrifizierungsgrad und Angaben zum Anteil erneuerbarer Energien.

Aussagekraft einordnen: Stichtage, Modellgrenzen und Datenlücken

Die ÖROK-Erreichbarkeitsanalyse 2024 beruht auf zwei Fahrplan-Stichtagen. Ergebnisse gelten daher für diese Stichtage; Fahrplanänderungen, Baustellen oder geänderte Anschlüsse können die Reisezeiten verschieben. Wer die Analyse für spätere Jahre nutzt, muss prüfen, ob der Gültigkeitsbereich noch passt; der Datensatz ist für 21.09.2026 bis 21.09.2027 ausgewiesen.

Der Netzbezug ist modellhaft: Für den MIV werden Autobahnen und Schnellstraßen, Bundes- und Landesstraßen sowie Stadt- und Gemeindestraßen unterschieden; für den ÖV schienengebundene Netze, Stadt- und U-Bahn sowie andere öffentliche Verkehrsnetzwerke. GIP und Floating-Car-Data liefern nicht für jede Straße und jeden Zeitpunkt dieselbe Datendichte. Reisezeiten bleiben deshalb Modellwerte mit Unsicherheit, besonders auf Gemeindestraßen und im ländlichen Raum.

Räumliche Vergleiche hängen vom Gebietsstand ab. Der STATatlas gruppiert Gemeinden zu Bezirken; ändern sich Gemeindegrenzen oder Bezirkszuschnitte, sind Zeitreihen nicht ohne Anpassung vergleichbar. Bei den CO2eq-Werten ist zu beachten, dass die ÖBB-Werte mit durchschnittlichen Verbrauchsdaten und Auslastungen berechnet wurden und die Vergleichswerte für Pkw und Lkw vom Umweltbundesamt aus 2023 stammen; die Werte für 2025 bzw. 2024 waren zum Zeitpunkt der Erstellung der Nichtfinanziellen Erklärung noch nicht verfügbar.

Vorteile und Grenzen der ÖROK-Erreichbarkeitsanalyse 2024

  • Vorteile — Einheitliche Ziele, Zeitfenster und Datenbasis für ÖV und MIV; öffentlich zugänglich; mit auditierten Nachhaltigkeitskennzahlen

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