A minimalist street view of the Wohleb store display in Vienna, Austria.
Foto von Jonas Horsch auf Pexels

Standortanalyse

Gewerbestandort bewerten: Kriterien, Daten und Erreichbarkeit

Die Standortwahl wirkt lange nach: Sie beeinflusst Umsatz, Kosten und Wachstumspotenzial.

Warum ein falscher Standort teuer wird

Die Standortwahl wirkt lange nach: Sie beeinflusst Umsatz, Kosten und Wachstumspotenzial. Auch ein stimmiges Konzept, ein gutes Produkt oder ein solider Service können scheitern, wenn potenzielle Kundinnen und Kunden den Betrieb nicht wahrnehmen, ihn nur mühsam erreichen oder die passende Kundschaft ausbleibt.

In der Praxis fällt die Wahl selten rein rational aus. Besonders Gründerinnen und Gründer entscheiden oft aus persönlichen und emotionalen Motiven: Nähe zur eigenen Wohnung, günstige Miete, spontane Gelegenheit. Dagegen ist nichts einzuwenden, solange diese Motive die sachlichen Kriterien nicht verdrängen. Ein Standort lässt sich nicht rasch und ohne Weiteres wechseln; ein Umzug kostet Geld, Kunden und Zeit.

Was als guter Standort gilt, hängt von Branche und Zielgruppe ab. Gastronomie, Handwerk, Dienstleistung, Großhandel und produzierendes Gewerbe stellen unterschiedliche Anforderungen. Je genauer der Standort zum Vorhaben passt, desto besser die Chancen auf wirtschaftlichen Erfolg. Lokale Angebote konkurrieren zunehmend mit Online-Angeboten; der Standort muss daher mehr leisten als bloße Sichtbarkeit.

Vorteile und Risiken der Standortwahl aufgrund persönlicher Motive

  • VorteileNahe Wohnung spart Pendelzeit, günstige Miete senkt Kosten, spontane Gelegenheit kann schnelle Umsetzung ermöglichen
  • RisikenEmotionale Entscheidung kann sachliche Kriterien verdrängen, Standortwechsel ist teuer und zeitaufwändig, falsche Lage beeinträchtigt Umsatz und Kundenbindung

Zielgruppe, Einzugsgebiet und Wettbewerb klären

Für jede Standortanalyse gilt: Zielgruppe und Konkurrenz müssen bekannt sein. Eine Zielgruppenanalyse klärt Alter, Einkommen, Wohn- und Einkaufsorte der potenziellen Kundinnen und Kunden und die Standorte, an denen man sie am besten erreicht. Erst darauf lässt sich eine sinnvolle Kriterienliste erstellen.

Für Handelsbetriebe haben sich wiederkehrende Prüfpunkte bewährt: Größe des Einzugsgebietes, Kaufkraft, Laufkundschaft, Verkehrsanbindung, Wettbewerbssituation, ergänzende Anbieter in der Nähe und Mietpreise für Gewerbeimmobilien. Ergänzende Betriebe – etwa ein Nahversorger neben einer Bäckerei – können Frequenz bringen und sind deshalb ein eigenes Kriterium, keine Randnotiz.

Beim Wettbewerb gilt: Je mehr Konkurrenz an einem Standort angesiedelt ist, desto stärker verteilt sich der Umsatz auf mehrere Anbieter. Manchmal ist es daher ratsam, Standorte mit bereits hoher Wettbewerbsdichte von der Liste zu streichen. Benutzerdefinierte Karten mit eingezeichneten Konkurrenzbetrieben schaffen Überblick.

Ebenso wichtig ist das Kaufverhalten: Zieht der Standort spontane Gelegenheitskundinnen mit impulsiver Kaufentscheidung an, Menschen mit gut geplanter, extensiver Kaufentscheidung oder vor allem Anwohnerinnen und Anwohner aus der Umgebung, die als habituelle Käufer regelmäßig wiederkommen? Die wohnortnahe Versorgung hat seit 2008 deutlich zugenommen; in einer Erhebung gaben 77 Prozent der Befragten an, Güter des täglichen Bedarfs im näheren Umkreis zu kaufen.

Harte und weiche Standortfaktoren unterscheiden

Standortfaktoren werden üblicherweise in harte und weiche unterteilt. Harte, messbare Kriterien sind die Kostenstruktur – Mieten, Steuern und Lebenshaltungskosten fallen je nach Standort sehr unterschiedlich aus –, die Infrastruktur, die Verfügbarkeit von Arbeitskräften sowie die Nähe zu Kunden und Lieferanten. Typische Kriterienlisten beginnen bei Gebiet, Lage und Umfeldbedingungen, führen über Gebäude und Räumlichkeiten bis zu Infrastruktur und Verkehrsanbindung.

Weiche Faktoren betreffen das Umfeld und das Zusammenspiel mit dem Betrieb: Image des Standorts, Branchenmix, Aufenthaltsqualität oder das Verhältnis zwischen Angebot und Lebensgewohnheiten der Bevölkerung. Sie lassen sich schwerer beziffern, können über Erfolg oder Misserfolg aber mitentscheiden.

Die Gewichtung erfolgt branchenspezifisch. Welche Faktoren einfließen, lässt sich nicht pauschal beantworten: Für einen Handwerksbetrieb gelten andere Maßstäbe als für einen Einzelhändler. Bei einem Ladengeschäft kann die Größe des Einzugsgebietes entscheidend sein, für einen Zulieferbetrieb die Anbindung an Verkehrswege und die Nähe zu Lieferanten. Gebäude und Räumlichkeiten sind gesondert zu prüfen: Zuschnitt, Ausstattung, Erweiterungsmöglichkeiten und die Eignung des Objekts für die geplante Nutzung.

Erreichbarkeit für Kunden, Lieferanten und Mitarbeitende bewerten

Verkehrsanbindung und moderne Kommunikationsnetze gehören zu den zentralen Standortkriterien: Sie erleichtern den Warenverkehr ebenso wie den Zugang zu Kunden und Lieferanten. Wer die Erreichbarkeit bewerten will, sollte sie nicht als Ja-Nein-Frage behandeln, sondern in messbare Größen übersetzen.

Sinnvolle Messgrößen sind durchschnittliche Wegezeit aus dem Einzugsgebiet mit Auto und öffentlichen Verkehrsmitteln, Taktung und Umsteigehäufigkeit, Parkplatzangebot, Ladezonen und Anlieferungszeiten, Entfernung zu Autobahnauffahrten und Bahnfracht-Terminals sowie Frequenz der Fußgängerströme in der unmittelbaren Umgebung. Laufkundschaft lässt sich über Passantenzählungen zu unterschiedlichen Tageszeiten abschätzen, Pendlerströme über die zeitliche Verteilung des Verkehrsaufkommens.

Für Mitarbeitende ist Erreichbarkeit ein eigenes Kriterium: Ob qualifizierte Fachkräfte in der Region verfügbar sind, wirkt auf das Wachstumspotenzial; kurze Wege zu wichtigen Partnern sparen Zeit und Kosten. Bei knappen Fachkräften kann eine gute öffentliche Anbindung des Betriebsstandorts zum ausschlaggebenden Argument gegenüber Bewerberinnen und Bewerbern werden.

Mit offiziellen Daten den Standort prüfen

Das Gewerbeinformationssystem Austria (GISA) ist das bundeseinheitliche Register, das seit März 2015 die 14 dezentralen Gewerberegister ersetzt. Es enthält die wichtigsten unternehmensbezogenen Daten sämtlicher in Österreich niedergelassener Gewerbebetriebe. Über die kostenlose GISA-Abfrage lassen sich insbesondere Name bzw. Firma, Standort und Wortlaut der Gewerbeberechtigung eines gewerblichen Unternehmens abrufen; erfasst sind auch das Versicherungs- und Kreditvermittlerregister und das Reiseinsolvenzabsicherungsverzeichnis. Für Einzelunternehmen, die nicht im Firmenbuch eingetragen sind, ist GISA die einzige authentische Informationsquelle.

Für Markt- und Brancheninformationen liefert die Statistik Austria die Arbeitsstättenzählung. Sie erhebt zum Stichtag 31. Oktober jeden Jahres auf Basis von Administrativdaten alle Arbeitsstätten der Wirtschaftsbereiche A–S (ÖNACE 2008) mit Unternehmenssitz in Österreich sowie deren Beschäftigte. Anders als die Erwerbsstatistik, die die Haupterwerbstätigkeit einer Person erhebt, zählt die Arbeitsstättenzählung Beschäftigungsverhältnisse – einschließlich Beschäftigter, deren Hauptwohnsitz nicht in Österreich liegt, also Einpendlerinnen und Einpendler aus dem Ausland. Ausgenommen sind lediglich exterritoriale Einheiten wie Botschaften, private Haushalte mit Angestellten und Vermieterinnen und Vermieter ohne Firmenbuchbezug.

Verfügbar sind unter anderem Unternehmensdaten, Beschäftigtenzahlen und Gemeindeergebnisse, etwa Indikatoren und Gemeindeergebnisse 2024 sowie Gemeindeergebnisse ab 2022. Für 2024 weist die Statistik 744.851 Unternehmen, 4.884.763 Beschäftigte im Unternehmen und 459.029 Ein-Personen-Unternehmen aus. Solche Zahlen eignen sich, um Betriebsgrößenstruktur und Beschäftigtendichte eines Bezirks oder einer Gemeinde grob einzuordnen.

Die Grenzen der Daten sind mitzudenken. Die Arbeitsstättenzählung ist eine Stichtagserhebung; Abhängigkeiten oder Verflechtungen zwischen Unternehmen werden nicht ermittelt. Endgültige Ergebnisse erscheinen mit zeitlichem Abstand – die endgültige Arbeitsstättenzählung 2025 ist für Juni 2027 angekündigt. Wer aktuelle Verhältnisse braucht, muss zusätzlich auf Registerdaten wie die GISA-Abfrage, eigene Erhebungen vor Ort und Gespräche mit Behörden und Interessenvertretungen zurückgreifen.

Wichtige Unternehmensdaten aus der Arbeitsstättenzählung 2024 (Statistik Austria)

  • Beschäftigte im Unternehmen — 4.884.763

Standortanalyse gewichten und vergleichen

Am Beginn steht das Sammeln der Kriterien, die für das eigene Vorhaben tatsächlich relevant sind. Danach folgt die Gewichtung nach Bedeutung. Bewährt hat sich eine Skala von eins bis drei: Faktoren, die auf keinen Fall fehlen dürfen, werden mit drei gewichtet; Faktoren, die sehr wichtig, aber kein KO-Kriterium sind, mit zwei; weniger entscheidende Faktoren mit eins.

Zusätzlich sollten echte KO-Kriterien gesondert markiert werden. Das sind Anforderungen, deren Nichterfüllung einen Standort unabhängig von allen anderen Punkten ausschließt – etwa eine Fläche, die für die geplante Nutzung zu klein ist, oder eine Widmung, die das Vorhaben nicht zulässt. Solche Standorte werden von der Liste gestrichen, bevor Punkte summiert werden.

Für den Vergleich empfiehlt sich eine doppelte Darstellung: eine Karte, in der Zielgruppe, Wettbewerb, Zulieferbetriebe und Verkehrswege eingezeichnet sind, und eine Liste oder Tabelle, in der jeder Standort je Kriterium bewertet und die gewichteten Punkte summiert werden. Die Punktezahlen sind ein Hilfsmittel, nicht das Ergebnis: Liegen zwei Standorte nahe beieinander, entscheiden Restrisiken, Verhandlungsspielraum und Baulichkeiten.

Die Entscheidung sollte nachvollziehbar dokumentiert werden – mit den herangezogenen Daten, den Quellen, den Gewichtungen und den Gründen für das Ausscheiden einzelner Optionen. Das erleichtert die Rechtfertigung gegenüber Finanzierungspartnern und die spätere Überprüfung, wenn sich Annahmen als falsch erweisen.

Von der Bewertung zur Umsetzung

Am Ende steht die Interpretation: Ist der bestbewertete Standort auch unter realen Bedingungen tragfähig? Zu prüfen sind Restrisiken wie die Entwicklung des Umfelds, absehbare Änderungen der Verkehrsführung, befristete Mietverträge und die Frage, welche Alternativen bei einem Scheitern bleiben. Oft lohnt es sich, über Miete, Ausstattung oder Vertragsdauer zu verhandeln, bevor man sich bindet.

Bei der Auswahl der Räume zählen neben dem Preis vor allem Fläche und Zuschnitt, die Eignung für die geplante Nutzung, Anlieferungs- und Lagerflächen sowie die Möglichkeit, später zu erweitern. Für Gewerbebetriebe gehören weiters die gewerberechtliche Zulässigkeit am konkreten Standort und die Passung zur Betriebsanlage zu den Punkten, die vor der Anmietung geklärt werden sollten.

Für die Anmeldung und spätere Änderungen gibt es den elektronischen Weg: Gewerbeanmeldungen, Standortverlegungen, Betriebseröffnungen und Geschäftsführerbestellungen können direkt im GISA abgewickelt werden; das erspart Zeit, Aufwand und Kosten. Neben der GISA-Abfrage stehen GISA-Verfahren, GISA-Express und die GISA-Schnittstelle zur Verfügung, außerdem das Unternehmensserviceportal (USP), über das nach Registrierung E-Government-Anwendungen des Bundes mit Single-Sign-on-Funktion gebündelt nutzbar sind. Ob ein Vorhaben überhaupt gewerberechtlich zulässig ist und welche Voraussetzungen gelten, klärt man am besten vor der Standortentscheidung mit der zuständigen Behörde im jeweiligen Bundesland.

Mehr aus Standortanalyse

Standortanalyse

Erreichbarkeit mit Bahn, Bus und Pkw bewerten: Kennzahlen und Quellen

Erreichbarkeit ist mehr als die Luftlinie zwischen zwei Orten: Sie hängt von Reisezeit, Zielwahl und verfügbarem Verkehrsmittel ab.

Standortanalyse

Flächenwidmung und Gewerbenutzung prüfen: Pläne und Auskünfte

Die Raumordnung ist die oberste Planungsebene und legt fest, wie der Boden genutzt werden darf – lange bevor ein konkretes Bau- oder Betriebsprojekt entsteht.